Wirtschaftssektor Wirtschaftsstruktur Wirtschaftssystem Wirtschaftstheorie WSA

Wirtschaftssektor Wirtschaftsstruktur Wirtschaftssystem Wirtschaftstheorie WSA
Wirtschaftssektor: die Zusammenfassung von gleichartigen Wirtschaftseinheiten (Wirtschaftssubjekten) bei der Untersuchung des Wirtschaftskreislaufs und der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, z.B. der Sektor private Haushalte oder der Unternehmenssektor. In der Wirtschaftsstatistik wird der Begriff Unternehmenssektor weiter unterteilt in den primären Sektor, sekundären Sektor und tertiären Sektor, (Dienstleistung). Diese Sektoren werden auch als Wirtschaftsbereiche bezeichnet und in Wirtschaftszweige untergliedert. – Vgl. Grafik.

Wirtschaftssektor

Wirtschaftsstruktur: der Aufbau und die Gestaltung der Wirtschafeines Landes. Die W. lässt sich unter verschiedenen Gesichtspunkten analysieren, z.B. im Hinblick auf Produktion (Produktionsstruktur), Beschäftigung (Beschäftigungs- oder Erwerbsstruktur), geografischen Kennzeichen (regionale W.) oder Einkommen (Einkommensstruktur). Mit Änderungen der W. im Sinne einer Gestaltung des Strukturwandels befasst sich die Wirtschaftspolitik.

Wirtschaftssystem: die typische Gestaltung des Wirtschaftslebens eines Landes. Neben den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (Wirtschaftsordnung) gehören zum W. auch die sog. Wirtschaftsgesinnung der Wirtschafts-subjekte (z.B. von Arbeitnehmern und Arbeitgebern), historisch gewachsene Strukturen und Verhaltensweisen sowie der technisch-organisatorische Stand einer Volkswirtschaft.

Wirtschaftstheorie: das Hauptgebiet der Volkswirtschaftslehre, das die Untersuchung und Erklärung von einzel- und gesamtwirtschaftlichen Abläufen zum Gegenstand hat. Bei Fragestellungen geht es z.B. um das Verhalten der privaten Haushalte und Unternehmen (Mikroökonomie), bei gesamtwirtschaftlichen Aspekten z.B. um die konjunkturelle Lage und die Beschäftigungssituation (Makroökonomie). Typischerweise entwickelt die W. zunächst ökonomische Modelle, mit deren Hilfe die wirtschaftliche Wirklichkeit auf vereinfachte Weise dargestellt wird und die so eine Untersuchung ermöglichen.

Wirtschafts- und Sozialausschuss, WSA: beratendes Gremium der EU, das zur Vertretung der Interessen der verschiedenen Gruppen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens eingesetzt wurde. Die 222 (nach der Erweiterung um Malta, Zypern und die osteuropäischen Beitrittsländer: 344) Mitglieder des WSA sind in drei Gruppen organisiert: Arbeitnehmer, Arbeitgeber und verschiedene Interessengruppen (z.B. freie Berufe, Landwirtschaft, Genossenschaften). Durch den WSA haben diese Gruppen die Möglichkeit erhalten, sich innerhalb der EU am Integrationsprozess zu beteiligen.

Wirtschafts- und Währungsunion: allgemein eine Form der wirtschaftlichen Integration von Staaten, bei der eine Wirtschaftsunion mit einer Währungsunion verknüpfwird; speziell auch Bezeichnung für die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion.

Wirtschaftsunion: Form der wirtschaftlichen Integration von Staaten, die durch Freiheit des zwischenstaatlichen Warenverkehrs (Zollunion, Freihandelszone), Freiheit des zwischenstaatlichen Geld- und Kapitalverkehrs, Niederlassungsfreiheit und freie Wahl von Wohnung und Arbeitsplatz (gemeinsamer Markt) sowie durch eine weitgehende Harmonisierung der nationalen Wirtschaftspolitiken der Mitgliedsstaaten gekennzeichnet ist.

Wirtschaftswachstum und Wirtschaftszweig
Wirtschaftswachstum (Wachstum): im weiteren Sinn die Zunahme einer wirtschaftlichen Größe im Zeitablauf, z.B. bezogen auf Unternehmen (Unternehmenswachstum gemessen an Eigenkapital, Wertschöpfung oder Umsatz) oder auf private Haushalte (Wachstum des verfügbaren Einkommens, der Konsumausgaben, des Geldvermögens u. a.). Das W. wird monatlich, vierteljährlich oder jährlich ermittelt und meist als prozentuale Veränderung im jeweiligen Zeitablauf angegeben (Wachstumsraten). Da W. grundsätzlich als Normalfall angesehen wird, spricht man bei Konstanz wirtschaftlicher Größen auch von Nullwachstum (Stagnation). Verringert sich die wirtschaftliche Größe, spricht man von Minuswachstum.
■ Im engeren Sinn wird der Wachstumsbegriff auf gesamtwirtschaftliche Größen bezogen und als dauerhafte (langfristige) Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts interpretiert. Dieses reale Wachstum bedeutet Zunahme des Inlandsprodukts in Preisen eines Basisjahres. Veränderungen des allgemeinen Preisniveaus (Inflationsrate) im Betrachtungszeitraum werden im Gegensatz zum nichtpreisbereinigten nominalen W. herausgerechnet(Deflationierung).

Entspricht das W. gerade dem Bevölkerungswachstum, bleibt die in Pro-Kopf- Größen gemessene materielle Güterversorgung unverändert(extensives Wirtschaftswachstum). Steigt das Inlandsprodukt hingegen rascher als die Bevölkerungszahl, spricht man von intensivem Wirtschaftswachstum. Quantitatives Wirtschaftswachstum zielt auf die rein mengenmäßige Zunahme der gesamtwirtschaftlichen Produktion im Sinne der Zunahme des BIP ab. Qualitatives Wirtschaftswachstum beinhalteneben der reinen Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Produktionsmenge die Verbesserung der Lebensqualität des Menschen, z.B. den Umweltschutz oder die gerechtere Einkommensverteilung. Die Messung des qualitativen W. und die Steigerung des Wohlstands in einer Gesellschafsind allerdings mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Der Wunsch nach wirtschaftlichem Wohlstand und gesichertem, möglichst Steigen dem Einkommen sowie die Lösung anstehender sozialer Probleme sind nur bei anhaltendem W. zu realisieren. In Deutschland ist ein angemessenes und stetiges W. daher nach dem Stabilitätsgesetz ein wirtschaftspolitisches Ziel.

Wirtschaftszweig (Branche): als W. werden die verschiedenen Wirtschaftsbereiche des Unternehmenssektors bezeichnet, die nach ihren typischen Aktivitäten eingeteilt werden, z.B. in Handel, Handwerk, Industrie und Dienstleistungssektor. In der Wirtschaftsstatistik werden v.a. die W. Industrie und Dienstleistungssektor in einer eigenen Wirtschaftszweigsystematik weiter untergliedert, die Industrie z.B. in Ernährungsgewerbe, chemische Industrie, Kraftfahrzeugindustrie und Baugewerbe.